Community-Theater?

Weil es mit der Community gemacht wird. Weil es Community schafft.
Im Gemeinwesen Gemeinschaft sein. Anbindung in der Gemeinschaft finden.
„Demokratie braucht Bürgerbühne“ las sich sehr gut in Texten zur Gründung der Dresdener Bürgerbühne. Gleichzeitig sind diejenigen, die in den engeren Bürger:innenbegriff scheinbar nicht passen, Kern unserer Kanaltheater-Community.

Wir bringen Gruppen der Gesellschaft zusammen und versuchen die Trennung von Gruppen aufzuheben, wenn auch erstmal nur für ein Theaterprojekt. Dann stehen Studierende der Forstwissenschaft mit Punks, mehrere Amtsleiter:innen mit Zugewanderten, Verwaltungsmitarbeiter:innen mit Hippies und etlichen Kindern und Jugendlichen auf der Bühne: BÄM! Alle rocken das Ding gemeinsam, auch wenn die unterschiedlichen Angewohnheiten zwischendurch gegenseitig mega-nerven! Immer kommt jemand zu spät – immer mal rennt jemand zwischendurch einfach weg und holt sich ein Getränk – aber doch: Wir haben was Großartiges zusammen geschafft und erlebt. Das bleibt für die nächsten 20 Jahre, wenn man sich zufällig in der Stadt begegnet. Auch wenn sonst im Leben vielleicht wenig verbindet, bleibt da dieses Gemeinsam-sich-durchgerockt haben und manchmal ergeben sich ganz andere Sachen… einem Geflüchteten eine Wohnung vermitteln… sich gegenseitig bei der Bewerbung unterstützen…sich in der Klinik besuchen…beim anderen Babysitten…sich bei der Jobsuche ermutigen… vorbeikommen, wenn man einsam ist… sich am Lagerfeuer treffen… gemeinsam kochen… offen bleiben, für immer wieder neue Menschen, für andere Meinungen, für widerständige Meinungen… für einen Dialog…

Vielleicht nur ein konkretes Bild, aus all dem, was wir so machen: 
Stellen Sie sich einen Hügel vor. Davor ein Platz mit Bäumen und viel Brandenburger Sand.
Daneben befinden sich die letzten 2 Baracken des ehemaligen Zwangsarbeiterinnenlagers.
Gerade sind Sie Gulliver, beginnend mit seinem Schiffbruch am Kanal, über Waldwege in den Königspalast und aus diesem wiederum flüchtend hin in das Land der weisen Pferde gefolgt. Sie sitzen jetzt im Kreis um die Bühne herum, wohnen einer Parlamentssitzung der Pferde bei. Gerade soll über das Bleiberecht Gullivers entschieden werden. Die Pferde beschließen: Er ist ein Mensch. Er darf nicht bleiben.
Laute Musik. 42 Darsteller:innen singen für Sie einen Schlusssong.

Anschließend bleiben Sie vielleicht noch etwas bei uns und sprechen und diskutieren über das gerade gesehene Stück zum Thema Flucht und Migration.
Das war nur ein kleiner Eindruck aus einer von drei Inszenierungen im Jahr 2016.

Stadt, Land, Chaos

DAS WILL DOCH NIEMAND SEHEN. DA KOMMT DOCH KEINER HIN, HIESS ES AM ANFANG.

Am Rand also. Aber von was?
Von einem Zentrum…
Was ist das Zentrum? Sind wir unser Zentrum? Es heißt auch, den Vergleich mit dem sogenannten Zentrum erst gar nicht heranzuziehen. Nicht weil wir uns davor scheuen, sondern eher weil wir gerade ein eigenes Zentrum erschaffen. Am Rande also, da wo es kein Theater gibt also, keine Theaterinstitution, keine Theaterstruktur also. Wir schaffen uns unsere Strukturen. Was braucht es, wenn es nichts gibt? Mut anzufangen und Leichtsinn.
Selbstermächtigung? Erstmal anfangen. Erstmal machen also. Leichtsinn etwas anzufangen, dass man am Anfang gar nicht überschauen kann, wo es sich mal hin entwickeln wird. Keine Angst haben zu groß zu denken. Nicht lockerlassen. Am Lagerfeuer sitzen und sich auf ein Gespräch einlassen. Einlassen auf einen Prozess, Ausgang unbekannt.
Und dann wächst es aus den Anfängen schnell heraus. Breitet sich aus, über den persönlichen (Teller) Rand weit hinaus. Im Herzen heißt es: Offen bleiben und bereit sein nachzujustieren, bei sich. Sich einzulassen, bereit sein, Bindungen einzugehen. Community ist mehr als einfach mal ein Projekt (jedenfalls läuft es in unserem Zentrum so). Heißt Verbindlichkeiten mit Menschen einzugehen, für die das Theater kein Job ist. Die teilweise noch nie Theater gespielt haben, oft noch keines von innen gesehen haben. Es heißt, bereit zu sein, sich zu erklären, was man will und wovon man träumt und nach den Träumen der anderen zu fragen.
Die Praxis entwickelt sich schneller als die Theorie. Es heißt auch, sich anders ausprobieren können, sich anderen Fragen stellen zu müssen. Sich befragen zu müssen. Was will ich hier eigentlich? Was erwarte ich von Theater? Es heißt, sich auf chaotische Proben einzulassen und doch den Fokus und das Miteinander im Blick zu behalten.

Andere über uns

SVEN KLAMANN –

Die Neuinszenierung konkreter geschichtlicher Geschehnisse, gewohnt gekonnt dargeboten von den Schauspieler*innen, hat jedes Mal aufs Neue vor allem dadurch an Echtheit und Glaubwürdigkeit gewonnen, dass

Weiterlesen »